Das Gebäude wurde 1873 an Stelle einer einfachen Gastwirtschaft gebaut. Es handelte sich um einen dreiteiligen Bau an der Außenalster. Das Fährhaus entwickelte sich bis zum Zweiten Weltkrieg zu einem der beliebtesten Treffpunkte Hamburgs und wurde für Ausflüge, Bälle und Diners genutzt. Das Gebäude wurde 1943 stark beschädigt, die Überreste 1952 gesprengt und das Gelände eingeebnet.

Heute erinnert die Anlegestelle Uhlenhorster Fährhaus der Alsterdampfer an das ehemalige Fährhaus.

Vor 150 Jahren stellten Kaufleute die Weichen für den Bau des Uhlenhorster Fährhauses - ein Ort, der in keinem Reiseführer fehlte.

Tiefer Frieden erfüllt heute die Ecke Fährhausstraße/Schöne Aussicht auf der Uhlenhorst. Ein paar Autos rollen langsam vorbei, draußen auf der Alster ziehen Ruderer ihre Bahnen. Der Eindruck ist den Hamburgern seit Jahrzehnten vertraut, dabei aber gar nicht stimmig. Den Wenigsten dürfte es auffallen: Es gibt zwar eine Fährhausstraße, aber weit und breit kein Fährhaus.

Lange war das anders. Das Uhlenhorster Fährhaus galt in der Stadt und bei Touristen als feste Größe – mindestens so bekannt wie Planten un Blomen, der Alsterpavillon oder Hagenbeck. Es fehlte in keinem Reiseführer, und die Zahl der Besucher wurde in alten Zeitungsberichten stets nach Tausenden bemessen.

Genau 150 Jahre ist es jetzt her, dass die Weichen für diesen Publikumsmagneten gestellt wurden. Damals, im Herbst 1865, trafen sich 33 finanzstarke Herren im Haus des Kaufmanns Wilhelm Droege an der Schönen Aussicht. Die Gruppe beschloss, ein an der Alster stehendes altes Gebäude samt Grundstück aufzukaufen und fit für die Zukunft zu machen. Dieses allererste Uhlenhorster Fährhaus war eine kleine, in die Jahre gekommene Kaschemme, die in einer Quelle als "hässliches Gebäude mit einer äußerst primitiven Wirtschaft" bezeichnet wurde. Die illustre Runde gründete eine Aktiengesellschaft, zu deren fünf Direktoren man auch Droege wählte.

In den Statuten wurde festgehalten: "Die Actiengesellschaft bezweckt, durch ihren Ankauf des unter dem Namen Fährhaus bekannten Grundstückes auf der Uhlenhorst, solches, solange es dem Interesse der Gesellschaft entsprechend erscheint, als Wirtschaftsetablissement fortbestehen zu lassen." Grundstück und Haus wechselten für 150.000 Mark Banco (225.000 Reichsmark) die Besitzer, finanziert wurde der Kauf über Aktien, die vor allem an wohlhabende Kaufleute aus der näheren Umgebung gingen.

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Die geschickten Gesellschafter schlugen mit dem Deal gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen schnappten sie das wertvolle Grundstück möglichen anderen Investoren weg und verhinderten so eine unliebsame Bebauung mit Wohnhäusern. Zum anderen konnten sie die künftige Nutzung selbst steuern – gewinnbringend, versteht sich. Dazu muss man wissen, dass die Gegend rund um die Alster zu diesem Zeitpunkt längst ins Visier von Bodenspekulanten gerückt war. Mit dem Ende der Torsperre war der Ansturm auf die einst außerhalb der Stadt liegenden Gegenden losgegangen.

Schon 1837 hatten die Unternehmer Carl Heine, August Abendroth und Adolph Jencquel den größten Teil des heutigen Stadtteils Uhlenhorst gekauft und erschließen lassen, auf dem anderen Alsterufer ging John Fontenay ähnlich energisch an die Erschließung der "Gegend vor dem Dammthor". Binnen weniger Jahre, das war deutlich, würde es in Alsternähe überhaupt keine Freiflächen mehr geben. "Es konnte nicht fehlen, dass diese Gegend immer mehr und mehr eine gesuchte ward", heißt es dazu in einer Quelle von 1863.

1872 wurde das alte Fährhaus abgerissen und durch einen repräsentativen Neubau nach Plänen Martin Hallers ersetzt. Nachdem die Gesellschafter das Haus an den Gastronomen Johannes Schwegler verpachtet hatten, begann die große Zeit des Uhlenhorster Fährhauses. Konzerte, Bälle, Feuerwerk – Schwegler machte aus dem Restaurant mit Hotelbetrieb eine Goldgrube. Vor allem im Sommer herrschte auch im Wasser unterhalb der Terrasse Hochbetrieb – Hunderte Boote dümpelten im "Geranienhafen". Max Liebermann und Pierre Bonnard malten diese Szenen, andere versuchten, die besondere Atmosphäre zu beschreiben.

Im Krieg wurde es durch Bombenschwer beschädigt, 1952 abgerissen

"Ein Tummelplatz für abendliche Ruderer, für Farbengedichte der Feuerwerke im Mondschein, ist die Alster vor dem Uhlenhorster Fährhaus", so der Maler Ernst Eitner. Der "Wanderführer" von 1890 hielt fest: "Es bietet sich ein Bild, welches an eigentümlicher Schönheit seinesgleichen in Deutschland nicht findet", und ein französischer Journalist notierte 1906: "In dem besonders beliebten Fährhaus versammeln sich täglich Tausende von Menschen auf einer Terrasse, wo sie an kleinen Tischen Butterbrote verzehren und dem Konzert der Militärkapelle lauschen. Andere anspruchsvollere Menschen soupieren auf blumenumrankten Balkons, von denen man die Terrasse und das Wasser übersieht."

Das Fährhaus war auch Wirkungsstätte des "Walzerkönigs von der Uhlenhorst", Oscar Fetrás. Sein Lied "Mondnacht auf der Alster" hatte 1888 im Fährhaus Premiere, und galt nach einigen Jahren als "Hamburgs zweite Nationalhymne".

Von 1914 an wurde die Anlage nach Schweglers Vorstellungen weiter vergrößert, danach blieb das Fährhaus fast 25 Jahre unverändert.

Der "Ort hoher Gastlichkeit" wurde im Sommer 1943 durch Fliegerbomben schwer beschädigt, Teile der Gastronomie und ein Weinverkauf bleiben aber auch nach dem Krieg noch geöffnet. Auch die Aktiengesellschaft gab es noch, und ihre Direktoren bemühten sich um 1950 sogar noch um einen Wiederaufbau des Hauses. Der kam nie zustande, und man kann sich nur dunkel ausmalen, was für ein Verkehrschaos ein Fährhaus in der damals geplanten Größe heute vor Ort wohl verursachen würde.

Schließlich löste sich die Gesellschaft auf, Ende der 50er-Jahre wurde die letzte "Liquidationsquote" an die verbliebenen Aktionäre ausgezahlt. Die Fährhausruine war schon 1952 abgerissen worden, und seitdem gibt es – mitten im ohnehin schon großen Grüngürtel der Außenalster – einen weiteren Park. Vom Fährhaus blieben nur ein Straßenname, alte Fotos – und jede Menge Berichte über die "feenhaften" Abende am Uhlenhorster Alsterufer.

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Das Uhlenhorster Fährhaus war ein Gebäude am östlichen Ufer der Außenalster in Hamburg-Uhlenhorst. Nach der Zerstörung während des Zweiten Weltkriegs wurde die Ruine 1952 gesprengt.

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Liebermann,

Abend am Uhlenhorster Fährhaus_(1910)

Hamburg-Uhlenhorst

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